Wir beraten Sie

Allgemeine Leitlinien

Frauen haben ein Recht auf Schutz ihrer Wahl.

Die Freiheit, diejenige Schutzmöglichkeit zu wählen, die aus der Sicht der jeweiligen Frau  am besten ist, ist ein wesentlicher Indikator für die Wirksamkeit der geplanten Schutzmaßnahmen. Hierbei schließt sich die Wahrnehmung verschiedener Hilfsangebote natürlich nicht gegenseitig aus.

Unsere Beratung…
  • … ist freiwillig und parteilich für die Opfer, d. h. Sie erhalten unsere unmissverständliche Unterstützung zur Beendigung jeglicher Gewalt im Bewusstsein, dass psychisches und physisches Leiden in unmittelbarem Zusammenhang zu Ihrer geschlechtsspezifischen Rolle und Identität stehen.
  • … ist respektvoll und ergebnisoffen und garantiert die Akzeptanz Ihrer individuellen Entscheidungen.
  • … ist kostenlos, vertraulich und auf Wunsch auch anonym.
  • … sicher, d. h. wir setzen höchste Priorität auf den Schutz und die Sicherheit der beteiligten Frauen und Kinder.
  • … ist „Hilfe zur Selbsthilfe“, d. h. sie dient als Verstärkung Ihrer Handlungsmöglichkeiten.
  • … basiert auf fundierten Fachkenntnissen über die Dynamik männlicher Beziehungsgewalt, über institutionelle Vorgehensweisen sowie über Strukturen, die eine Beendigung von Gewalt erschweren und / oder ermöglichen.
  • … orientiert sich an den unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen, insbesondere ist eine qualifizierte Unterstützung bei migrationspezifischen und aufenthaltsrechtlichen Fragestellungen oder Berücksichtigung der Lebenssituation von Frauen mit Behinderungen gegeben.
  • … ist unmittelbar, d. h. eine schnelle Terminvergabe und gute Erreichbarkeit sind für uns von großer Bedeutung.

 

Beratungsformen

Die Beratungs- und Interventionsstelle bietet Ihnen ein umfassendes Beratungsangebot – dieses beinhaltet:

 

1. Beratung zum Gewaltschutzgesetz

Seit dem Jahr 2002 besteht das Gewaltschutzgesetz. Zielsetzung des Gewaltschutzgesetzes ist es, durch zivilrechtliche Regelungen den Schutz der Opfer von häuslicher Gewalt zu verbessern. Dies beinhaltet die Beantragung von Schutzmaßnahmen und die Zuweisung der gemeinsamen Wohnung. In der Beratung zum Gewaltschutzgesetz erhalten Betroffene, Angehörige und Institutionen Informationen über Möglichkeiten und Verfahrensabläufe, die durch das Gewaltschutzgesetz ermöglicht werden. In Ausnahmefällen begleiten wir Sie zum Gericht, um gemeinsam mit Ihnen Maßnahmen nach dem Gewaltschutzgesetz zu beantragen.

 

2. Pro-aktive Beratung nach einem Polizeieinsatz

Die Beratungs- und Interventionsstelle bietet in enger Kooperation mit der Polizei „Pro-aktive Beratung“ an: Sie erhält von Frauen, die nach einem Polizeieinsatz oder nach einer Anzeigenerstattung durch eine Einwilligungserklärung ihr Interesse an einer Beratung kundgetan haben, deren Telefonnummer und Adresse. Die Mitarbeiterin der Interventionsstelle nimmt am nächsten Werktag von sich aus Kontakt mit der Frau auf und vereinbart einen ersten Beratungstermin.

 

3. Trennungs- und Konfliktberatung

Bei der Trennungs- und Konfliktberatung geht es um die Informationsvermittlung zu rechtlichen und finanziellen Fragen, die im Zusammenhang mit einer Trennung vom Partner entstehen. In diesem Zusammenhang werden wir mit Ihnen über Dinge wie Existenzsicherung, Kindschaftsrecht (Sorgerecht, Unterhaltspflicht, etc.), Scheidung sprechen. Unsere Beratung soll Frauen in der Entscheidungsfindung unterstützen; das Angebot der Trennungs- und Konfliktberatung ist sowohl für Frauen gedacht, die in einer gewaltgeprägten Beziehung leben, als auch für Frauen, die sich aus anderen Gründen von ihrem Partner trennen möchten.

 

4. Stalking

Viele Frauen, die sich trennen wollen, müssen sich mit Stalking auseinander setzen, weil ihr Partner die Trennung nicht akzeptiert, sie in verschiedenster Weise belästigt und dadurch weiterhin Macht über sie auszuüben versucht. Unter Stalking werden wiederholtes Verfolgen, penetrantes Belästigen und Bedrohen einer Person gegen deren Willen durch eine andere verstanden. Ziel des Stalkers ist es, mit allen Mitteln auf sich aufmerksam zu machen und den Kontakt gegen den Willen der Betroffenen aufzunehmen oder zu halten. Dieses Ziel verfolgt er hartnäckig aus unterschiedlichen und / oder wechselnden Motiven (Liebeswahn, Rache, Kontrolle, …). Der Stalker kennt sein Opfer aus unterschiedlichen Zusammenhängen. So können Täter beispielsweise ehemalige Partner oder Partnerinnen, Freunde, Arbeitskollege oder -kollegin, entfernte Bekannte oder auch Nachbar oder Nachbarin sein. Die Opfer fühlen sich den Tätern gegenüber oft hilflos ausgeliefert; das Spektrum der Stalking-Verhaltensweisen kann in dramatischen Fällen über körperliche Gewalt bis hin zu Tötungsdelikten reichen. Typische Formen der Belästigung sind

  • Telefonanrufe, (SMS-)Nachrichten, Sendungen von E-Mails,
  • „Liebesbezeugungen“ in Form von Liebesbriefen, Blumen, Geschenken,
  • Bestellungen von Warensendungen im Namen des Opfers,
  • Anwesendsein, Verfolgen und / oder Auflauern, z. B. vor der Wohnung oder dem Arbeitsplatz, dem Kindergarten, der Schule,
  • Ausfragen von (gemeinsamen) Bekannten.

5. Nachgehende Beratung

Die Beratungs- und Interventionsstelle ist ebenfalls Anlaufstelle für ehemalige Frauenhausbewohnerinnen, die Beratung und Unterstützung bei neu auftretenden Problemen benötigen.

 

6. Kinder als Opfer

In allen Fällen, in denen Frauen durch ihre Partner misshandelt werden und Kinder mit im gemeinsamen Haushalt leben, sind diese Kinder betroffen. Gewalt gegen die Mutter schadet immer auch den Kindern, unabhängig davon, ob sie selbst unmittelbar Gewalt erleiden oder nicht. Im Rahmen des Beratungsangebotes für die Frauen werden auch die Bedürfnisse der Kinder thematisiert. Benötigen die betroffenen Kinder Hilfsangebote, wird eine Kooperation mit verschiedenen Kinderschutzeinrichtungen hergestellt (Erziehungsberatungsstelle, Kinderschutzbund, Kinder- und Jugendtherapie, Jugendamt, usw.). Kinder und Jugendliche, die nach ihrem Frauenhaus-Aufenthalt weiterhin Unterstützung und Begleitung möchten, können diese im Rahmen des Nachsorgeprogramms erhalten.